Berufsbild Lerntherapeut*in (Kurzversion)

​​​​​1. Berufsbezeichnung
Die Berufsbezeichnung (integrative) Lerntherapeut*in hat sich für die Behandler*innen von Lernstörungen durchgesetzt.
Mit den Bezeichnungen Dyslexie- oder Legasthenietherapeut*in und Dyskalkulietherapeut*in wird die Spezialisierung auf die
Therapie der Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörung angegeben.
 
2. Aufgaben und Tätigkeiten
Lerntherapeut*innen diagnostizieren und behandeln umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten wie
Lese-Rechtschreib- und/oder Rechenstörungen (ICD-10 F81) sowie alle damit in Verbindung stehenden anderen psychischen
Störungen der Emotion oder des Verhaltens.
Das lerntherapeutische Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene und schließt die Beratung und Unterstützung
des sozialen Umfeldes (Eltern, Schule, weitere Beteiligte) mit ein.
 
Die Lerntherapie beinhaltet: Diagnostik, Beratung, Therapieplanung, Durchführung und Dokumentation des therapeutischen Prozesses
sowie die Umfeldarbeit.
 
Ziel der Lerntherapie ist, dass die Betroffenen trotz ihrer Schwierigkeiten Lesen, Schreiben und/oder Rechnen so weit erlernen,
dass sie im schulischen Lernen bestehen, am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und ihre seelische Gesundheit stabilisiert ist.
 
3. Qualifikation und Kompetenzen
Lerntherapeut*in ist ein akademischer Beruf. Ein Hochschulabschluss ist in der Regel die Voraussetzung für die lerntherapeutische Aus-/Weiterbildung.
 
Die folgenden Abschlüsse werden vom BLT anerkannt und als Qualifikationsnachweis empfohlen:
  • Master of Arts - Integrative Lerntherapie (M. A.)
  • Bachelor of Arts - Integrative Lerntherapie (B. A.)
  • Zertifikat: Integrative/r Lerntherapeut/in FiL
  • Zertifikate: Dyslexietherapeut*in BVL/Dykalkulietherapeut*in BVL und Hochschulabschluss
 
Zudem weisen Lerntherapeut*innen mit dem Zertifikat Dyslexie-/Dyskalkulietherapeut*in BVL in Verbindung mit einem Hochschulabschluss
und Berufserfahrung die wesentliche Voraussetzungen für die Anerkennung des BLT auf.
 
Weiterbildungsstandards für Lerntherapeut*innen sind in der Weiterbildungsordnung des FiL oder in den Prüfungs- und Studienordnungen
der Hochschulen/Universitäten fixiert.
 
Alle Weiterbildungsangebote sind kostenpflichtig. Zuschüsse sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich. 
 
4. Arbeitsbereiche/-bedingungen
Lerntherapien finden zumeist im Einzelsetting statt, nur in begründeten Fällen in Kleingruppen. Sie werden in der Regel in speziell
eingerichteten Praxisräumen durchgeführt.
 
Lerntherapeut*innen arbeiten als:
  • als Inhaberin einer eigenen Praxis
  • Angestellte u. a. in Beratungsstellen, Kliniken, Schulen oder lerntherapeutischen Praxen 
  • als Honorarkraft in einer lerntherapeutischen Praxis
 
5. Verdienst, Einkommen
Als Grundlage für ein angemessenes und ortsübliches Honorar für die lerntherapeutische Tätigkeit kann eine Orientierung am TVöD-L geben.
Je nach Grundqualifikation, unter Beachtung der Zusatzqualifikation und den ausgeübten Verantwortungsbereichen liegt die Eingruppierung zwischen den Entgeltgruppen E12 und E15.
Die Berechnung eines Therapiestundensatzes beruht auf einer betriebswirtschaftlichen Kostenkalkulation.
Der/die Lerntherapeut*in zählt zu den freien Berufen.
 
6. Finanzierung

Die Kosten für Lerntherapien werden als Hilfen zur Erziehung (§27 SGB VIII) oder Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII) vom zuständigen Jugendamt übernommen, sofern die jeweiligen Voraussetzungen vorliegen. Lerntherapie gehört nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. In Ausnahmen übernehmen zumeist private Krankenversicherungen die Therapiekosten zumindest anteilig.

Über das Bundes- und Teilhabepakte können Lerntherapien als Lernförderung finanziert werden (https://www.bmas.de/DE/Theme

Arbeitsmarkt/Grundsicherung/Leistungen-zur-Sicherung-des-Lebensunterhalts/Bildungspaket/leistungen-bildungspaket.html).

Für Lerntherapie in der Schule gibt es vielfältige Finanzierungsmodelle, besonders im Sinne der Prävention, wie z. B. über dafür eingerichtete Fördervereine oder auch über eine gemeinsame Finanzierung von Schule (Schulbehörde oder -träger) und Jugendamt. 

In den meisten Fällen jedoch müssen die Kosten für eine Lerntherapie privat finanziert werden.

 
7. Gesetze
  • Sozialgesetzbuch, Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII)
  • Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG)
  • Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)
  • Sozialgesetzbuch, gemeinsame Vorschriften für die Sozialversicherung (SGB IV)
  • Gesetze des Arbeitsrechts
 
8. Verbände
  • Berufsverband für Lerntherapeut*innen e.V. (BLT) – berufsständische Interessenvertretung der Lerntherapeut*innen
  • Fachverband für integrative Lerntherapie e.V. (FiL) – Aus- und Weiterbildung, wissenschaftliche Weiterentwicklung der Lerntherapie
  • Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL) – Interessenvertretung der Betroffenen

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Eine ausführliche Beschreibung des Berufsbildes finden Sie hier